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Pelzchen

Aus dem Projekt “In Spirit of Rubens”

In ihrem Projekt «In Spirit of Rubens» nähern sich die beiden Künstler Thomas Gatzemeier und P.U.D. (†) dem Großmeister Peter Paul Rubens (1577-1640) und setzen sich ganz persönlich mit seinem Schaffen auseinander. Damit stehen sie in einer langen Tradition der künstlerischen Auseinandersetzung mit Werken von P. P. Rubens. Dies geschieht in gänzlich unterschiedlicher Weise. Während P.U.D. eine möglichst große Nähe zu dem Meister anstrebt, geht es Thomas Gatzemeier vornehmlich darum, sich mit seinen eigenen malerischen Mitteln mit seinem künstlerischen Vorbild zu messen. In der Werkgruppe «In Spirit of Rubens» stehen die Kopie (P.U.D.) und die Interpretation (Gatzemeier) gegenüber, in gemeinsamen Arbeiten vereinen sich die beiden Künstler auf der Leinwand wieder und gehen so in einen spannenden Diskurs. Die abschließende Werksequenz dieses Projekts beschäftigt sich mit dem «Pelzchen». Die hübsche Tochter des Tuchhändlers Daniel Fourment stand für das berühmte Bild „Das Pelzchen“ von Peter Paul Rubens Model und verzauberte den Maler. Ihr erotischer Körper, im weichen Pelz gehüllt, findet in den Variationen von Thomas Gatzemeier und P.U.D. eine moderne Auseinandersetzung. Die Haltung der Figur ist einem antiken Venusbild nachempfunden. Das Konzept für die Auseinandersetzung mit dem «Pelzchen» ist eine von der «Kopie» ausgehende Reihung, ein Entwicklungsablauf hin zu den eigenen Malgebärden von Thomas Gatzemeier. Ein ungegenständliches Bild, das einer skizzenhaften Variation vom «Pelzchen» in einem Diptychon gegenüberstellt ist.

Für Thomas Gatzemeier ist Malen vergegenständlichte Lust. Und diese Lust reicht bei ihm von äußerster Zärtlichkeit, bis zum brutalen eruptiven Ausbruch. So wird Malen für Thomas Gatzemeier „die Fortsetzung des Lebens mit anderen Mitteln“, sein Dialog mit Farbe und Leinwand hat existentielle Bedeutung und speist sich aus dem Spannungsfeld zwischen Eigenwert der Farbmaterie und Gegenständlichkeit.

Thomas Gatzemeier über die Malerei:
„Die Zeichnung und die Malerei sind gleichwertig und bedingen sich, im Wechselspiel. Die größten formalen Entdeckungen habe ich in der Zeichnung gemacht. Die Handwerklichkeit insgesamt, d. h. das Maltechnische, ist für mich eine sehr wichtige Sache in der Malerei, mit der man fertig werden muß; ein Zwiegespräch, ein Kampf zwischen Farbe, zwischen dem Element – Element wie Wasser, Erde – Erde, Öl. Dieses Element zu bändigen und daraus etwas zu formen.“

Thomas Gatzemeier
Geboren 1954 im sächsischen Döbeln, studierte Thomas Gatzemeier, nach einer Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler, Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine Lehrer waren Arno Rink und Volker Stelzmann. 1980 beendete er sein Studium und ist seit dem freier Künstler. Nach Konflikten mit den Machthabern und einem Ausstellungsverbot verlies er 1986 die DDR. Seit 1987 stellt Gatzemeier regelmäßig in Galerien, Kunstvereinen und Museen aus. Seine Werke befinden sich in renommierten Sammlungen des In- und Auslandes. 2010 erschien sein erster Roman. Er lebt und arbeitet als Maler, Bildhauer und Schriftsteller in Karlsruhe und Leipzig.

Vernissage | opening
18.10.2013
19-22 Uhr | 7-10 pm

Ausstellung | exhibition
19.10. – 24.11.2013